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„Plagiat“

Wie versprochen meine Hausaufgabe für Hannover:

Plagiat oder Kunst?
Warum wir ein neues Urheberrecht brauchen
Wenn im kreativen Bereich von einem Plagiat gesprochen wird, dann geht es meist um eine Urheberrechtsverletzung, den Diebstahl „geistigen Eigentums“. An der rechtlichen Lage hat sich dabei bis auf einige Verschärfungen seit 1965, also seit über 50 Jahren, nichts verändert.
Und gesellschaftlich?
Till Kreutzer, Rechtsanwalt, ist wie viele andere der Meinung, dass unser Urheberrechtsgesetz der digitalen Alltagswirklichkeit nicht mehr gerecht werden kann. User Generated Content, Remixing, Sampling, Video Art: All diese neuen Kreativmethoden werden erheblich eingeschränkt, eine ganze Generation von Kreativschaffenden, die lange nicht mehr nur Nutzer sind, werden als Raubkopierer und Plagiatoren kriminalisiert.
Als Sachverständiger diskutiert Till deshalb auf verschiedenen Veranstaltungen wie zum Beispiel der Internetkonferenz re:publica, wie unser Urheberrecht aussehen sollte, um die technischen, kulturellen und sozialen Eigenheiten unserer Wissens- und Informationsgesellschaft zu reflektieren. In zahlreichen Interviews, Vorträgen, Diskussionsrunden und persönlichen Gesprächen engagiert er sich für eine grundlegende Reform, die mehr Raum für Innovation und Kreativität schafft.“

Der Text durfte leider nicht länger sein, aber wenn ich euch für die Thematik interessiert empfehle ich euch erstens Tills Vortrag auf der re:publica und zweitens das Rechtsportal iRights.info, da gibts jede Menge Texte von ihm und seinen Kollegen zum Thema Urheberrecht in der digitalen Welt. Lohnt sich.

Leider weiß ich (noch) nicht, wie die Hausaufgabe angekommen ist. Im Gegensatz zu anderen wurde ich zumindest nicht in die Mangel genommen, es ist aber auch niemand begeistert vom Stuhl gehüpft. Im Nachhinein kann ich mir vorstellen, dass es vielleicht zu sehr Pressefotografie ist und man danach in Hannover nicht unbedingt sucht.. Hätte ich wissen müssen, aber was solls. Mit den Fotos an sich bin ich eigentlich ganz zufrieden, gemessen an was auch immer.

Ich hatte bei der Hausaufgabe jedenfalls sehr, sehr viel Spaß. Sonntags die Idee gehabt, Montags die Zusage, Dienstag ein wenig in die Thematik eingelesen, Mittwoch hin und Donnerstag fotografiert. Hach. Schön. Nebenbei hab ich noch jede Menge interessante Leute kennengelernt und habe es sehr genossen eeeeendlich mal die re:publica zu besuchen. Wieso bin ich da eigentlich nicht früher gewesen? Tz… Nächstes Jahr komme ich jedenfalls wieder, dann habe ich hoffentlich auch mehr Zeit für mehr Veranstaltungen, denn freitags musste ich schon wieder zurück, wenn auch leider nicht zurück nach Hause. In einer Woche war ich in vier Städten, ich glaube, das ist mein persönlicher Rekord. Leider hatte ich vergessen meine eigene Spontanität einzuplanen und dass einem das 3-Tage-Gepäck spätestens nach 5 Tagen ausgeht, und das ist sehr geruchstolerant gerechnet, wenn man keine Zeit hat zwischendurch zu waschen. Also schnell neue Socken, Unterwäsche und T-Shirt gekauft; mensch, kam ich mir absurd vor. Aber in Zukunft plane ich besser.

Übrigens bin ich heute noch ein bisschen froher über die verpatzte Eignungsprüfung. Und verwundert, über mich. Das klingt jetzt gleich etwas arrogant, aber: Ich glaube, ich bin es nicht mehr gewöhnt, nicht erfolgreich zu sein. Mein Studium ist zum Schluss hin einfach wahnsinnig gut verlaufen, bei lauter glatten Einsen hatte selbst ich (fast) nichts mehr zu beanstanden. Und dann: 4 von 15 Punkten. Autsch. Aber statt mich der wiederentdeckten Niederlage hinzugeben, geht es mir erstaunlich gut. Ein bisschen besser sogar, weil ich jetzt endlich weiß, wo ich stehe, und das auch nachvollziehen kann. Deswegen schrei ich auch immer so nach (fundierter) Kritik, die mir aber selten jemand geben möchte oder kann, außer einer Person, die sich jetzt hoffentlich angesprochen fühlt.

Gut, eigentlich habe ich bei der Prüfung keine Kritik bekommen, außer eine mickrige 4, aber natürlich glaube ich längst zu wissen, worans liegt und wo ich ansetzen muss. Das mach ich jetzt mal.

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Chris Hondros und Tim Hetherington

Es ist ein mulmiges Gefühl die letzten Bilder eines Fotografen zu sehen, aufgenommen wenige Augenblicke vor seinem Tod. Man sieht, was er zuletzt gesehen hat und wahrscheinlich macht das auch diese seltsame Faszination solcher Fotos aus. Anders als den Tod in Form von Kriegsopfern auf dem Foto zu sehen, spüren wir nun den Tod des Beobachters, der wir selbst sind, dessen Perspektive wir einnehmen, durch dessen Linse wir auf das Kriegsgeschehen blicken. Was wir gesehen haben, wurde von seinem Tod gefolgt.

Mir mag das Ganze etwas näher gehen, weil ich selbst Fotografin bin oder es gerne wäre, und so war ich ziemlich betroffen als ich las, dass gestern die beiden Kriegsfotografen Chris Hondros und Tim Hetherington in Misrata, Libyen, bei einem Mörserangriff ums Leben gekommen sind. Erst las ich nur „zwei Fotografen in Libyen“, sah dann die letzten Fotos von Chris Hondros bei LIFE magazine, was sich schon bestürzend genug anfühlte… und stolperte plötzlich über den Namen „Tim Hetherington“. Den Namen kannte ich doch, oder? Als dann die Erinnerung an seinen Film „Restrepo“ kam, den ich in Hamburg verpasst hatte, weil er eine Stunde früher lief als im ursprünglichen Programm vermerkt, habe ich mich unglaublich erschrocken.

„Restrepo“ (2010) ist ein Dokumentarfilm über den Afghanistankrieg von dem britischen Fotografen Tim Hetherington und dem amerikanischen Journalisten Sebastian Junger, die als embedded journalists eine Truppe des US-Militärs begleitet haben. Er wurde u.a. beim Sundance Film Festival ausgezeichnet und für den Oscar nominiert.

Ich kann es nicht genau erklären, weil ich den Film ja nicht gesehen habe, und doch schockte mich die Erkenntnis. Möglicherweise reichte es schon, dass ich meiner Begleitung immer wieder den Film ankündigte, am Montag! Tim Hetherington! Deutschlandpremiere!, so dass sich Name und Film schon so in meinem Kopf gefestigt hatten. Seitdem gehe ich jedenfalls mal wieder mit wackligen Beinen, dabei habe ich zwischen Hausaufgabe, Bachelorarbeit und Fotodokumentation kaum Gedankenraum übrig. Für einige Momente, vielleicht Stunden oder Tage nach solchen Nachrichten fühlt sich irgendwie alles was ich tue ein wenig absurd an, alles hat einen seltsamen Schleier über sich und ich fühle mich, als wäre ich nicht richtig scharf gestellt. Wird das irgendwann weniger?

Fotos für die Pressefreiheit 2010

Letzte Woche habe ich mir den Fotoband „Fotos für die Pressefreiheit 2010“ von Reporter ohne Grenzen gekauft. Darin zu finden: die Rangliste der Pressefreiheit für 2009, einige kurze Artikel zu Ländern auf dieser Liste und verschiedene Reportagen, inklusive Fotos, und Interviews.

Ich hatte noch nicht viel Gelegenheit darin zu lesen, aber bereits die erste kurze Reportage war unfassbar:

Der amerikanische Fotograf Thomas van Houtryve berichtet darin, wie er als angeblicher Anhänger das kommunistischen Regimes nach Nordkorea gereist ist. Ja, ganz richtig: Nordkorea. Die absolute Autarkie, deren „Selbstgenügsamkeit“ so weit geht, dass sie sich selbst fast zum medialen blinden Fleck gemacht hat und uns nur erahnen lässt, was in dem wohl restriktivsten Land dieser Welt so vor sich geht.

Die Angst vor der Enttarnung und anschließendem Arbeitslager haben ihn auf der waghalsigen Reise ständig begleitet und tatsächlich grenzt es an ein Wunder, dass seine wahre Identität nicht entdeckt wurde. Aber ich will nicht zu viel verraten.

Rechts habe ich van Houtryves Website verlinkt. Den Fotoband von ROG müsst ihr natürlich trotzdem kaufen!