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Phototriathlon

Im Vorfeld hatte ich mich auf zwei Veranstaltungen der Phototriennale besonders gefreut: ein Vortrag und Wim Wenders als Gast zu „Palermo Shooting“. Es stellte sich jedoch heraus, dass ich ausgerechnet diese beiden Veranstaltungen am uninspirierendsten fand. In beiden Fällen lag das aber daran, dass fast alles, was gesagt wurde, mir persönlich nicht wirklich neu war und ich dementsprechend ein wenig enttäuscht war, wofür der erste Dozent nichts konnte, Wim Wenders… nein, ich kann nicht schlecht über Wim Wenders reden, oder? Darf man das? Ich gebe jedenfalls zu, dass ich vor Wim Wenders die Augen verdreht habe, mehrfach. Aber ich liebe seine Filme, ehrlich. Bis auf „Palermo Shooting“ vielleicht, den wir ja dann angeguckt haben, haha.

Umso toller fand ich den grandios komischen Benjamin Katz, den ihr Hipster alle verpasst habt, weil ihr erst bei Wim Wenders den Kinosaal gestürmt habt. Der essayistische Film über Katz war schön, leider seeehr, sehr lang, aber wer danach Jürgen Heiter und Benjamin Katz im Gespräch mit ich-weiß-nicht-wem gesehen hat, der hat sofort verstanden, wie das wohl passiert ist.

Außerdem habe ich noch einige Ausstellungen abgeklappert: Steve McCurry, Fotojournalist, dessen Bilder aus Indien, Birma, Afghanistan usw. euch sicherlich schon mal irgendwo begegnet sind, und Simon Roberts, mit den beiden Arbeiten „We English“ über England und „Motherland“ über Russland.

Samstag war ich bei der Vernissage von Rob Hornstra – Ivan’s Cowshed & Putin’s Games. Die Ausstellung zeigt erste Bilder und Texte eines Projekts, das sich mit der russischen Stadt Sotschi beschäftigt, die 2014 Austragungsort der Olympischen Winterspiele sein wird. Eine ungewöhnliche Wahl, denn Sotschi liegt nur 30 km vom Krisengebiets Abchasien entfernt und hat nebenbei bemerkt subtropisches Klima. The Sochi Project von Fotograf Rob Hornstra und Journalist und Filmemacher Arnold van Bruggen dokumentiert fünf Jahre lang die rasanten Veränderungen in der Region und finanziert sich dabei ausschließlich mittels Crowdfunding. Wer also unabhängigen Journalismus in Form dieses umfassenden und engagierten Langzeitprojekts unterstützen möchte, der spende, kaufe Bildbände oder lasse sich zumindest bis zum 20. Mai in der FreeLens Galerie in Hamburg blicken.

Von der letzten Ausstellung erzähle ich morgen bei ein paar Bildern, von den ganzen Fotofilmen ein anderes mal. Muss ja auch noch arbeiten, irgendwann. Morgen, oder so. Nächste Woche. Gute Nacht!

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Fotografie und Wahrheit

Endlich ist es (fast) offiziell: Ich schreibe meine Bachelorarbeit über: Fotojournalismus! Ja, wirklich.

Genauer gesagt werde ich mich damit beschäftigen, wie Fotografie als Medium Wahrheit bzw. Realität produziert (und nicht einfach abbildet) und wie fotografische Berichterstattung in diesem Zusammenhang Diskurse um Krisen und Konflikte beeinflusst. Das ist eigentlich auch schon alles, was wirklich feststeht, außer dass die Namen Roland Barthes, Susan Sontag, John Berger und Michel Foucault ein paar Mal fallen werden und außerdem so tolle Wörter wie Konstruktivismus, Medienwirklichkeit, Ausschließungssysteme und Authentizitätsinstanz.

Die Beispiele, also die Fotografien, die ich behandeln werde, stehen noch nicht ganz fest. Vorschläge und Ideen sind willkommen, ich muss erst mal kiloweise kluge Wörter durch die Gegend schleppen und mich dann Götz Werner, äh, Lutz Görner hingeben.

Raus(ch) aus den Pantoffeln

Vor knapp zwei Monaten entdeckte ich eher zufällig ein Seminar zum Thema Fotojournalismus, das von der Zentralstelle für Schlüsselkompetenzen an meiner Uni angeboten wurde. Ganz hastig wollte ich mich anmelden, so ein Gratisseminar findet man ja nicht alle Tage, bekam dann aber nur einen Platz auf der Warteliste. Also habe ich gewartet und gehofft und fast ein bisschen gebetet und das Wochenende im Kopf immer schön freigehalten bis drei Tage vor dem Seminar ein Bekannter nach Maastricht lockte. Wegfahren, neue Leute sehen, Tanzen, ja ja ja…! Und dann kam die Zusage für das Seminar, wann auch sonst.

Was habe ich also gemacht, ich strebsame, motivierte Studentin? Genau, das Seminar abgesagt. Ich war mir sicher, ich würde es bereuen, aber ich wollte so sehr nicht zwei Tage im Seminar sitzen, auch nicht, wenn wir Fotografieren.

Aber, und ich bin mir nicht sicher, ob ich das Folgende nach so viel Nichtstun wirklich verdient habe: Das Wochenende war das beste seit langem. Kaum geschlafen natürlich, zwischen Aachen, Maastricht, Köln und Bonn hin und her gefahren mit nassen Füßen und wolkigem Kopf, erst in Holland entspannt, dann bei Kruder & Dorfmeister getanzt und schließlich bei Marc Ribot & Sunship gefiebert und gezuckt vor lauter Glück über so viel Schlagzeugskunst.

Und als hätte ich es geahnt hat mich die ganze Lauferei und Tanzerei und Fieberei besser zur Vernunft geschüttelt als es das Seminar je hätte schaffen können. Ich glaube, ich kann jetzt wieder brav am Schreibtisch sitzen ohne depressiv zu werden. Nunja, zumindest habe ich so ein Gefühl. Gemacht hab ich natürlich noch nix.