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Fotos für die Pressefreiheit 2010

Letzte Woche habe ich mir den Fotoband „Fotos für die Pressefreiheit 2010“ von Reporter ohne Grenzen gekauft. Darin zu finden: die Rangliste der Pressefreiheit für 2009, einige kurze Artikel zu Ländern auf dieser Liste und verschiedene Reportagen, inklusive Fotos, und Interviews.

Ich hatte noch nicht viel Gelegenheit darin zu lesen, aber bereits die erste kurze Reportage war unfassbar:

Der amerikanische Fotograf Thomas van Houtryve berichtet darin, wie er als angeblicher Anhänger das kommunistischen Regimes nach Nordkorea gereist ist. Ja, ganz richtig: Nordkorea. Die absolute Autarkie, deren „Selbstgenügsamkeit“ so weit geht, dass sie sich selbst fast zum medialen blinden Fleck gemacht hat und uns nur erahnen lässt, was in dem wohl restriktivsten Land dieser Welt so vor sich geht.

Die Angst vor der Enttarnung und anschließendem Arbeitslager haben ihn auf der waghalsigen Reise ständig begleitet und tatsächlich grenzt es an ein Wunder, dass seine wahre Identität nicht entdeckt wurde. Aber ich will nicht zu viel verraten.

Rechts habe ich van Houtryves Website verlinkt. Den Fotoband von ROG müsst ihr natürlich trotzdem kaufen!

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Fieber, Fotos, erste Pläne.

Die Idee, ein Blog einzurichten, umkreiste mich schon vor ungefähr einem Jahr, damals allerdings als Ausdruck eines eher diffusen Wunsches, endlich mehr zu schreiben und endlich mal gelesen zu werden. Aber der virtuelle Exhibitionismus hat mich einfach nicht richtig zu packen bekommen. In Wahrheit fehlte mir natürlich einfach der Mut, das Selbstvertrauen und: das Konzept.

Das Konzept ist jetzt da, zumindest in groben Zügen. Grundbestandteil dieses Konzepts ist es, die fixe Idee, als Fotojournalistin zu arbeiten, als sich (hoffentlich) entwickelndes Projekt zu dokumentieren. Meine unausgegorenen Pläne diesbezüglich sind also konzeptimmanent.

Die fixe Idee ist eigentlich nur die Wiedergeburt einer alten. Nachdem ich die „Wenn ich groß bin, werd ich Tierärztin!“-Phase frühzeitig abgebrochen hatte, wollte ich unbedingt Fotografin werden. Ein Betriebspraktikum in einem Fotofachgeschäft sollte die erste Annäherung sein, richtige Fototechnik lernte ich aber höchstens aus den herumliegenden Fachbüchern. Stattdessen hörte ich in dieser Zeit immer wieder, dass Fotografen ihr Geld hauptsächlich auf langweiligen Hochzeiten verdienen und all meine Vorstellungen von dieser Profession naiv und utopisch seien. Heute weiß ich, wie wertvoll Naivität ist, wenn sie für Idealismus und Optimismus steht. Doch damals zog ich mich mit meinem Berufswunsch demütig wieder zurück und wendete mich anderen Dingen zu.

Wirklich gerappelt hat es dann allerdings als ich mit ca. 14 Jahren auf der Photokina eine Ausstellung von Reporter ohne Grenzen e.V. gesehen habe. Betroffen, berührt und fasziniert bin ich aus der Ausstellung  „ÜberLeben im Alltag“ nach Hause gewandelt. Noch nie hatte ich so herausragende Fotos gesehen und war ästhetisch und emotional völlig überwältigt. Nachdem ich mich informiert hatte, was hinter dem Verein ROG steckt, war ich lange in einer „Wenn ich groß bin, werd ich für ROG arbeiten!“-Phase. Nur als was wusste ich nicht. Fotografin war als Berufswunsch ja abgehakt.

Seit ungefähr einer Woche denke ich endlich, endlich, endlich: Aber warum eigentlich? Also habe ich mir vor zwei Tagen eine digitale Spiegelreflexkamera ausgeliehen und bin am gleichen Abend nach dem WM-Spiel Deutschland gegen Ghana wild fotografierend durch die Stadt gezogen. Es ist natürlich eine abenteuerliche Idee gleich mit Nachtfotografie anzufangen und sich als Motiv auch noch springende, tanzende Fußballfans auszusuchen. Aber es war fantastisch. Wie im Fieber habe ich Unmengen von Fotos gemacht und mich selbst dabei völlig vergessen. Verschwitzt kam ich zuhause an und merkte erst jetzt, dass es für eine Jacke viel zu warm gewesen war – oder war das der fieberhafte Rausch? Jedenfalls vergesse ich seitdem zu essen und zu trinken, bin bis tief in die Nacht mit Sichtung und Nachbearbeitung der Fotos beschäftigt und richte ernsthaft dieses Blog ein, in dem ich öffentlich behaupte, Fotojournalistin werden zu wollen. Bescheuert? Vielleicht. Voreilig? Aber hallo! Doch vielleicht war das die Geburt eines langersehnten Kindes, das ich jetzt aufziehen muss, mit Liebe und Elan.
Fakt ist jedenfalls, dass sich alles, was ich je wollte, in diesem Beruf zusammenfindet bzw. zusammen finden kann. Ebenso wie alles, mit dem ich regelmäßig so beschimpft werde: perfektionistisch, übertrieben tolerant, viel zu diplomatisch, krankhaft xenophil und anthrophil.

Ob das reicht, werden wir sehen.